Dracula vampira
Jeder, der diesen Namen liest, denkt dabei sofort
an mystische Vampirgeschichten um Graf Dracula aus Transsylvanien.
Jedoch weit gefehlt, denn hierbei handelt es sich um eine Pflanze
aus der Familie der Orchideen. Aufgrund der bizarren Blüten wurden
die zur Gattung Masdevallia gehörenden Pflanzen von Botanikern und
Pflanzenliebhabern als "kleine Drachen" bezeichnet.
Erst 1978 wurde diese Pflanzengruppe von Dr.Carlyle
Luer als eigene Gattung abgespalten. Für die etwa 100 Species umfassende
Gattung verwendete er den sehr treffenden Namen "Dracula". Dracula
sind kleine bis mittelgroße Pflanzen von ca. 5 - 20 cm Höhe. Sie
wachsen auf Bäumen (epiphytisch), im Waldboden (terrestrisch) oder
auf Wurzeln, umgebrochenen Bäumen und Ästen. Meistens sind sie von
Moosen, Flechten, Farnen oder anderen Begleitpflanzen umgeben. Die
Blüten erscheinen endständig an aufrechten, geneigten oder hängenden
Stielen und bestehen aus fünf Blütenblättern. Drei davon sind als
dreizipfliger Stern mit mehr oder weniger verlängerten Fortsätzen
ausgebildet. Zwei Blütenblätter sind eher verkümmert und wesentlich
kleiner als die drei äußeren. Ein sechstes Blütenblatt, welches
bei allen Orchideen als sogenannte Lippe ausgebildet ist, hat bei
den Dracula eine typische lamellenförmige Struktur. Über der Lippe
liegt die Säule (columna) mit den männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen,
den Pollinen und der Narbe. Bei flüchtigem Betrachten der Blüten
kann man mit etwas Phantasie kleine Gesichter erkennen.
Das Verbreitungsgebiet dieser interessanten Pflanzen
erstreckt sich hauptsächlich über die Anden und deren angrenzenden
Hochländern von Mittel- bis Südamerika. In Höhenlagen zwischen 1200
und 2500 m wachsen die Pflanzen in Nebelwäldern, wo nicht selten
Temperaturen von nur 10 - 15 °C anzutreffen sind.
In Kultur befindliche Pflanzen benötigen einen
halbschattigen Standort und Temperaturen im Sommer zwischen 18 und
22 °C. Im Winter sollten die Temperaturen nicht dauerhaft unter
15 °C sinken. Das Pflanzsubstrat darf nie zu stark austrocknen und
muss trotzdem luftdurchlässig bleiben. Die Pflanzen lieben sehr viel
frische Luft und Luftbewegung. Zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit
sind die Pflanzen und ihre Umgebung gelegentlich zu übersprühen.
Zum Gießen und Übersprühen sollte man kalkfreies - oder noch besser
Regenwasser verwenden. Staunässe im Wurzelbereich ist unbedingt
zu vermeiden.
Die Pflanzen werden nur schwach gedüngt. Hierzu
eignen sich verschiedene Orchideendünger oder gut ausgeglichener
Volldünger mit Spurenelementen. Schwache Düngungen über das Blatt
haben sich als sehr vorteilhaft erwiesen.
Innerhalb dieser Gattung gibt es Arten, die ihre
Blüten im Humusbereich ausbilden und einen Geruch nach Pilzen verströmen.
Damit locken sie Pilzmücken an, die ihre Eier in den Blüten ablegen
und dabei die Blüten bestäuben. Andere wiederum verströmen einen
Aasgeruch, um Fliegen anzulocken, welche dann zur Bestäubung der
Blüten beitragen.
Verschiedene Artennahmen innerhalb der Gattung
weisen noch besonders auf das monströse Aussehen der Blüten hin.
Dazu gehören z. B.: Dracula chimaera (mystisch, monströs, benannt
nach dem sagenhaften, mehrköpfigen Drachen), Dracula vampira (bizarr,
furchteinflößend, fledermausähnlich), Dracula bella (anmutig, schön),
Dracula mopsus (hundähnlich).
H.-J. Wlodarczyk
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